Komplex Audio 002 & Minimal

Schwieriges Unterfangen heute: Wie beurteile ich eine Platte, von der ich wahrscheinlich nie etwas hören würde, hätte sie nicht ein alter Freund und Wegbegleiter aus Mainzer Zeiten produziert? Tja, und dann auch noch sehr Mnml-mäßig.

Theorie: Während Minimal ursprünglich einfach die totale Reduktion einer Technoproduktion war und somit durch den heute gängigen Slogan „Minimize to Maximize“ erklärt werden kann, so ist seit ein paar Jahren unter dem Begriff Minimal eine Soundästhetik zu verstehen die zwar genauso viele Spuren hat wie andere Produktionen, nur werden diese nicht so voll gepackt, es wird an der Klangfülle gespart; somit ist Minimal nicht mehr zwangsläufig minimal, sondern es verhält sich so wie mit der Trance-Musik, die einen auch nicht unbedingt in Trance versetzt. Was mich persönlich am meisten stört ist nicht die Musik – es gibt auch dort sehr gute Produktionen, doch sind diese rar, wie in jedem Bereich der gerade „State of the Art“ ist und an dem sich jeder versucht – sondern das Ding das einfach ein paar Minuten wenig passiert, dann kommt ein Break wo mir eine kurze Euphorie anheim fällt und genau dann wenn Füße auf die erste Bassdrum voll einsteigen wollen, kommt nichts: Schluss aus, alle Sounds rausgezogen und wieder auf Anfang gesetzt. Das wiederholt sich pro Track zwei- bis dreimal und dann Ende. Streng nach Schema F; Trentemøller beherrscht dies übrigens hervorragend. Das zweite Manko ist das Tempo der Tracks (wobei dies in fast allen Bereichen von Techno zu langsam geworden ist), das sich zwischen 120 und 130 BPM bewegt. Meine 90er Jahre sozialisierter Körper mag lieber Tanzflächen die mit 135-145 beschallt werden.

Praxis: Ersteinmal die Regler auf +8 geschoben, um dem Tempoproblem zu entgehen. Die A-Seite kommt ein wenig detroitig daher, ich finde sie hat auch einen Schuss „F… U Com„, allerdings alles in der Minimal Soundästhetik. Die Sound schlängeln sich durch das Lied, die Breaks sind gut, nur danach kommt nicht die erhoffte Erlösung; alles in allem soundmäßig sehr solide produziert. Die B1 kommt vom Sound und Bass noch ein wenig ruhiger daher, lässt im Gegensatz zur A-Seite alles im Bereich der Hi Hats und Percussions ablaufen, will den Hörer auf eine andere Ebene (wahrscheinlich das Kopfkino) befördern. Die zweite Stück auf der Flipside gefällt mir am besten, heir scheinen noch am ehesten gute Technoansätze durch. Wieder aus der detroiter Schule kommend, wird soundmäßig noch eine kleine Prise „Border Community“ (die überschlagende Bassdrum aus „The Sky was Pink“ oder „A Break in the Clouds“) eingestreut und das ganze mit einem Soundschauer garniert, der an Purple Plejades (DJax Up!) melodische Acid-Interpretationen erinnert.

Ergebnis: Für ein Erstlingswerk ist diese Platte (ich beziehe mich weitestgehend auf B-Mus selbst) gut gelungen. Natürlich habe ich sie mit meinem Geschmack beurteilt; ich wollte mir nicht die Brille eines Minimal-Fans aufsetzen um die E.P. zu beurteilen, deswegen hält sich die Begeisterung in Grenzen. Wäre genau dieselbe Platte einfach fünf Jahre früher produziert worden, oder von jemand wie Kowalski hätte sie einen festen Platz in meinem Koffer sicher. Meine Hauptkritik liegt nicht daran dass die Ideen schlecht wären, sie sind einfach nur für meinen Geschmack falsch umgesetzt. Ich denke aber als Minimal Fan würde sie mir gut gefallen. Jedenfalls: Big Up. Nach nur zwei Jahren des Musikmachens ist dies mehr als gut, wenn ich mir im Vergleich die Erstlingswerke mancher Top-Produzenten anhöre dann: Wow!

Ps.: Für einen guten Remix gebe ich gerne meine Jomox her, damits dann richtig knallt;-)

Info 1: Komplex Audio ist ein frisches Label des Mainzers Marcus Schmahl der allen Elektrolux Fans noch aus den nächtlichen Chill Out Videos vom HR-TV bekannt sein dürfte, da er seinerzeit einiges zu meiner nächtlichen Ruhe als „Rauschfaktor“ beigetragen hat. Die A1 und B2 hat er zusammen mit B-Mus produziert, während die B1 aus einer Kollaboration mit Lana del Tigre erwuchs.

Info 2: Dieser kleine in die Kritik eingebaute Exkurs über Minimal machte es mir überhaupt erst möglich mich gut mit dieser Platte auseinaderzusetzen, da ich mich wahrscheinlich sonst nicht intensiv damit beschäftigt hätte.

 

 

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10 Antworten to “Komplex Audio 002 & Minimal”

  1. schöne review und das:
    „das Ding das einfach ein paar Minuten wenig passiert, dann kommt ein Break wo mir eine kurze Euphorie anheim fällt und genau dann wenn Füße auf die erste Bassdrum voll einsteigen wollen, kommt nichts“

    kenn ich zu gut und deswegen hör ich dnb 😉

  2. hehe!
    dnb hör ich auch… aber auch die anderen stile so querbeeeeet… 🙂
    deswegen gibt s halt so viel, was ich soooo gerne hier bastle.

    DANKE für dieses FETTE review, respekt… 😉

    grüße aus dem essenheimer studio…
    marcus 😉

    ps. die nächste scheibe wird schneller und kommt auf „craft music“ …. 🙂

  3. hi, sorry dass es ein bißchen länger gedauert hat…

    …extrem schöne review – ehrlich & direkt – da könnte sich das ein oder andere mag eine scheibe von abschneiden 😉

    …der text über minimal ist übrigens nicht vergessen, aber am wochenende gab es doch auch hier bei uns ein heftiges erdbeben – zwar nicht aufgrund tektonischer verschiebunegen aber das winzerfest war seit langem mal wieder sehen- & besuchenswert 😉 – und nach dem kurzzeitigem verlust der muttersprache blieben mir keine worte für den text 😉

    …du verstehst! 😉 🙂 🙂

    RESPECT und Gruß nach Gö!

  4. @BMus: Ich weiss. Bei euch gibts jo mehr alte Woitrinker wie alte Doktern;-)

    @Jan: und ich hör Ravestep (Mdslktr)

    @Marcus: Sag mal bescheid, mit Craft; sagt mir ebenfalls nichts, aber aus der aktuellen Musik bin ich was Mnml und Däschno betrifft weitestgehend raus.

    @all: Danke für die Blumen:-)

  5. Wechselwirkungen Says:

    […] Kommentare mrBTH on Komplex Audio 002 Minimal…B Mus on Komplex Audio 002 Minimal…Marcus Schmahl on Komplex Audio 002 Minimal…audite on Komplex […]

  6. […] mich klingen jedoch viele der nach „Schema F“ produzierten „Minimal“ Tracks [siehe Komplex Audio Review] eher nach Plagiat, als ein wirklicher Ausdruck eigener […]

  7. […] mich klingen jedoch viele der nach „Schema F“ produzierten „Minimal“ Tracks [siehe Komplex Audio Review] eher nach Plagiat, als ein wirklicher Ausdruck eigener […]

  8. doc morbid Says:

    besonders bei minimal ist wie oben schon genannt ja das problem, dass sich alle dran versuchen, aber es nur sehr wenige gibt, die etwas eigenes bei mischen und es nicht zur mode werden lassen.

    gute beispiele sind alex neri, mit la fotografia oder daniel steinberg mit electric zulu, wo allerdings auch wieder ein wenig „DAS DING“…durch zu hören ist^^

  9. Steinberg ist in der Tat ganz cool 🙂

  10. hey….ich kenn dein „minimal Problem“…
    mir persönlich gefällt dieser track sehr gut!
    ist von einem gutem freund von mir.
    der lässt deine füße auf der tanzfläche sicher nicht im stich^^
    http://rapidshare.com/files/257707140/15min_Mix_.wma.html
    lg neysn

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